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07.10.2019 | Auf und Ab bei den Bauzinsen

Wann gibt’s die ersten Minuszinsen?

Frankfurt 01.10.2019 –– Kaum ein Experte zweifelt mehr daran, dass Minuszinsen möglich sind. Offen ist allein, wann und wie der Dammbruch erfolgt. Baukunden können dennoch gelassen bleiben.

Die Aussagen waren eindeutig. Bei der jüngsten FMH-Expertenumfrage schloss keiner der Fachleute mehr aus, dass es in Zukunft Minuszinsen geben könnte. Zwar ist es eher unwahrscheinlich, dass Kunden, die ein Baudarlehen abschließen, schon morgen oder übermorgen auf breiter Front damit verdienen, dass sie sich Geld ausleihen. Der Trend zur „Quasi-Null-Prozent-Baufinanzierung“ ist aber schon heute nicht zu übersehen.

Die ersten Anbieter kratzen an der Null-Prozent-Marke

Am 25.09.2019 war bei namhaften Vermittlern ein Volltilgerdarlehen mit zehn Jahren Laufzeit zu einem Sollzins von 0,03 Prozent zu bekommen. Kunden, die einen Kredit über 400.000 Euro aufnehmen, mit 50 Prozent Beleihung punkten und ihre Schulden in nur einem Jahrzehnt zurückzahlen können, hätten über die gesamte Laufzeit also nur 605 Euro Bauzinsen bezahlt Eigentlich hätte die Bank auf diese Summe auch noch verzichten und das Geld offiziell für lau verleihen können.

Soweit in man in Deutschland aber noch nicht – und auch die Quasi-Umsonst-Baufinanzierung war nur kurze Zeit zu haben: Zwei Tage später lag der Sollzins (bei gleichen Vorgaben) wieder bei 0,17 Prozent, was die Zinssumme über die gesamte Laufzeit auf immerhin 3.437 Euro erhöht. Allerdings ist derzeit nicht absehbar, wie lange dieses Angebot Bestand haben wird. Es ist gut möglich, dass die nächste Offerte wieder deutlich niedriger liegt – denn der Zinsmarkt befindet sich derzeit in einem Auf und Ab.

Einiges spricht dafür, dass die Banken durch die Anpassungen der Bauzinsen versuchen, Verluste im Anlagebereich zu kompensieren. Denn bei obigen Vorgaben verarbeiten sie erhebliche Summen, die zuvor auf den Girokonten, Tagesgeldkonten und Sparbüchern lagerten und die im großen Stil mit 0,5 Prozent Strafzinsen bei der EZB bestraft wurden. Ein Null Prozent-Kredit für solvente Kunden ist damit fast schon ein Geschäft für die Geldhäuser.

Wie könnte ein Darlehen mit Minuszinsen aussehen?

Wäre in der aktuellen Situation womöglich sogar ein Kredit mit Minuszinsen noch vorteilhaft für die Geldgeber? Wenn man sich die Strafzinsen der EZB ansieht und bedenkt, dass sich viele zinslose Kundengelder für die Finanzierungsvergabe einsetzen ließen, ist das durchaus denkbar. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie die Banken solche Angebote ausgestalten würden.

Eine von diversen denkbaren Versionen für einen Kredit mit Negativzinsen wäre es, den Kunde in unserem Beispiel statt 400.000 Euro Darlehen nur 398.994 Euro mit null Prozent tilgen zu lassen. Dadurch würden die Bauzinsen, die die Bank dem Kunden gutschreiben müsste, in Form eines reduzierten Rückzahlungsbetrages erstattet.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, dass das ausgezahlte Darlehen zwar in voller Höhe getilgt werden muss, der Kunde aber bei jeder Ratenzahlung eine Gutschrift in Höhe des Minuszinses erhält.

Die richtigen Prioritäten setzen

Wie weit die Banken mit den konkreten Vorbereitungen sind, wissen sie derzeit wohl nur selbst. Wir von der FMH vermuten allerdings schon wegen der rechtlichen Probleme, die solche Angebote bringen könnten, dass es so schnell keine Minuszinsen im Hypothekenbereich geben wird.

Kunden profitieren aber dennoch, denn ob ein Darlehen nun 0,1 Prozent Bauzinsen kostet oder 0,1 Prozent Minuszinsen ausweist, ist über die Jahre hinweg (fast) schon egal.

Statt auf etwaige Minuszinsen zu hoffen, sollten Bau- und Kaufinteressenten daher ihre Energie vor allem darauf verwenden, das passende Objekt zu finden und eine Baufinanzierung zu bekommen, die so flexibel ist, dass sie zur eigenen Lebensplanung passt -und sich jederzeit an neue Umstände angleichen lässt. Nutzen Sie unseren Vergleich der aktuellen Bauzinsen für Ihre Marktbeobachtung!

Quelle: FMH-Finanzberatung

Ansprechpartner

Ralf van gen Hassend
Steuerberater
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