Tipp des Monats

10/01/2012 | Streubesitzdividenden sollen steuerpflichtig werden!

Werden Dividenden von einer deutschen Kapitalgesellschaft ausgeschüttet, so wird augenblicklich Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent (zuzüglich Solidaritätszuschlag) einbehalten und an das zuständige Finanzamt abgeführt. Ist die Empfängerin der Dividenden eine in Deutschland ansässige Kapitalgesellschaft, so wird die Abgeltungsteuer auf deren Körperschaftsteuerschuld angerechnet. Da bei deutschen Kapitalgesellschaften Dividenden im Ergebnis zu 95  Prozent steuerbefreit sind, wird die Abgeltungsteuer erstattet oder angerechnet.

Für ausländische Kapitalgesellschaften, die deutsche Dividenden erhalten, gilt die im Jahr 2000 eingeführte Steuerbefreiung für deutsche Dividenden allerdings nicht. Infolgedessen reduziert sich die Abgeltungsteuer bei einer Ausschüttung von deutschen Dividenden an ausländische Kapitalgesellschaften allenfalls dann, wenn sich aus einem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) oder der Mutter-Tochter-Richtlinie ein Ermäßigungs- bzw. Erstattungsanspruch ergibt.

Im Oktober 2011 entschied der Europäische Gerichtshof, dass die Ungleichbehandlung in- und ausländischer Dividendenempfänger gegen das EU-Recht verstößt und ließ dem deutschen Gesetzgeber die Wahl, entweder die ins Inland gezahlte Dividende zu besteuern oder die ins Ausland gezahlte Dividende freizustellen. Der Bundesrat hat daher in den Entwurf des Jahressteuergesetzes 2013 eine Regelung eingebracht, nach der Streubesitzdividenden bereits ab 2012 auch bei Zahlung an inländische Kapitalgesellschaften steuerpflichtig sein sollen. Allerdings bestehen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken, weil dasselbe Steuersubstrat dann auf mehreren Ebenen mehrfach besteuert wird.

Nach bisher geltendem Recht unterliegen privat gehaltene Streubesitzdividenden der Kapitalertragsteuer (inkl.Solidaritätszuschlag) von 26,375% plus Kirchensteuer. Werden die Beteiligungen jedoch über eine GmbH gehalten, so unterliegen nur 5% der Dividende der Körperschaftsteuer von 15%. Auf 100 € Dividende fallen also nur 0,75 Cent Steuer an. Das gilt ebenso für Veräußerungsgewinne auf Streubesitzanteile. Streubesitz sind Beteiligungen von weniger als 10%. Grund für die Freistellung ist, dass Dividenden, die durch mehrere Gesellschaften durchgeschüttet werden, nicht auf jeder Ebene erfasst werden sollen. Erst wenn die Holding GmbH diese Gewinne ausschüttet, werden diese steuerpflichtig beim Investor.

Der Entwurf des Jahressteuergesetzes 2013 sieht aber eine Besteuerung schon auf der Ebene der Holding GmbH vor. Damit würden Streubesitzdividenden der Doppelbesteuerung unterliegen. Zuerst wird auf der Ebene der Holding GmbH besteuert und dann ein zweites Mal bei der Ausschüttung auf der Ebene des Investors.

Die Änderung im Jahressteuergesetz 2013 zur Besteuerung der Streubesitzdividenden soll schon für das Jahr 2012 gelten.  Zwar ist das Jahressteuergesetz 2013 noch nicht verabschiedet und somit rechtskräftig, aber Sie sollten schon vor Ende dieses Jahres ihre Handlungsmöglichkeiten ausschöpfen um einer eventuellen Doppelbesteuerung zu entgehen.

Sprechen Sie ihre Berater bei Grüter ∙ Hamich & Partner an um eine geeignete Lösungsstrategie für Sie zu entwickeln.

Ansprechpartner

Ralf van gen Hassend
Steuerberater
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