Tipp des Monats

07/01/2011 | Lohnsteuerrechtlich richtig Feiern – ohne das hinterher das böse Erwachen kommt

Wenn Sie die Freigrenze von 110 Euro pro Arbeitnehmer überschreiten, wird ihre Betriebsfeier teurer als geplant.

In einem aktuellen Urteil des Finanzgerichtes Düsseldorf entschieden die Richter bezüglich der lohnsteuerrechtlichen Behandlung von Betriebsfeiern, dass die Freigrenze von 110 Euro pro Arbeitnehmer auch bei einer sehr aufwändigen Firmenfeier angemessen ist.

Das Gericht führt aus, dass wenn die Aufwendungen des Arbeitgebers anlässlich einer Betriebsfeier die Freigrenze von 110 Euro je teilnehmenden Arbeitnehmer überschreitet, so liegt in vollem Umfang steuerpflichtiger Arbeitslohn vor. Aufwendungen, die berücksichtigt werden, sind zum Beispiel neben den Kosten des Programms auch die Kosten für den äußeren Rahmen der Veranstaltung, wie zum Beispiel Reisekosten, Kosten für Speisen und Getränke, Aufwendungen für die Saalmiete und die Musik. Selbst im Falle einer sehr aufwändigen Firmenfeier mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahl ist die Freigrenze von 110 Euro angemessen und kann nicht bezüglich auf den im Einzelfall branchenspezifischen Besonderheiten oder hinsichtlich der Bedeutung und der wirtschaftlichen Größe des Arbeitgebers erhöht werden. Hat der Arbeitgeber ein Interesse an einer sehr aufwändigen Feier, muss er die entsprechende Lohnbesteuerung in Kauf nehmen.

GHP Tipp:

Was gilt es generell bei der steuerlichen Behandlung von Betriebsfeiern zu beachten?

Lediglich Betriebsfeiern, die sich hinsichtlich ihrer Ausgestaltung, Häufigkeit und zeitlichen Umfangs in angemessenen Rahmen bewegen, werden steuerlich begünstigt.

Folgende Regeln müssen Sie dafür beachten:

  • Die Veranstaltung muss allen Mitarbeitern offen stehen. Es darf niemand aufgrund seiner Stellung oder seiner Lohngruppe ausgeschlossen werden. Sie können aber auch Feiern als betrieblich veranlasst angeben, wenn diese nur für einen bestimmten Kreis von Arbeitnehmern interessant ist oder wenn es nur bestimmte Organisationseinheiten betrifft, wie zum Beispiel Filialfeiern oder Jubilarfeiern.
  • Grundsätzlich existiert keine zeitliche Begrenzung für die Dauer der Betriebsfeier. In Form eines Betriebsausfluges kann die Feier somit auch mehrere Tage dauern.
  • Zwei Veranstaltungen pro Kalenderjahr können steuerlich begünstigt stattfinden. Richten Sie mehr als zwei Betriebsfeiern im Jahr aus, können Sie selber entscheiden, für welche zwei Veranstaltungen die Steuerfreiheit gewählt werden soll. Sie sind dabei nicht an deren zeitliche Reihenfolge im Kalenderjahr gebunden.
  • Die Aufwendungen für eine Betriebsfeier dürfen die Freigrenze von 110 Euro pro Arbeitnehmer nicht überschreiten, ansonsten entsteht ein zu versteuernder geldwerter Vorteil für den Arbeitnehmer. Wenn die Freigrenze eingehalten wird, werden die Aufwendungen des Arbeitgebers nicht als Arbeitslohn angesehen und sind lohn steuerfrei. Da es sich hier um eine Freigrenze handelt, stellen die Aufwendungen insgesamt Arbeitslohn dar, sobald die Grenze von 110 Euro überschritten wird. Und zwar nicht nur für den über die 110 Euro hinausgehenden Betrag, sondern für den gesamten Betrag.
  • Zu beachten ist bei der Berechnung der Aufwendungen pro Arbeitnehmer außerdem noch, dass die Kosten teilnehmender (Familien-)Angehöriger dem jeweiligen Arbeitnehmer zugerechnet werden. In diesem Fall ist es möglich, das der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer vereinbart, dass die Angehörigen ihren Anteil an den Kosten selbst übernehmen. Damit bleiben dann die Kosten pro Arbeitnehmer unter den 110 Euro.
  • Liegen die Aufwendungen pro Arbeitnehmer und Feier über den 110 Euro inklusive Umsatzsteuer, können die Kosten trotzdem als gewinnmindernde Betriebsausgaben verbucht werden. Entweder der Arbeitgeber versteuert diese Aufwendungen pauschal mit 25% nach dem Einkommensteuergesetz. Dabei fallen keine Sozialabgaben an. Oder die Kosten werden als Arbeitslohn erfasst und die Lohnsteuer wird individuell in der Lohnabrechnung berechnet, wobei Sozialabgaben fällig werden.

Bitte beachten Sie, dass unser Tipp des Monats keine vollständige Beratung ersetzen kann. Bei weiteren Fragen zum Thema wenden Sie sich bitte an die Berater bei Grüter ∙ Hamich & Partner.

Ansprechpartner

Ralf van gen Hassend
Steuerberater
Partner in Duisburg

Tel.: +49 (0) 2065/ 9088-0
Fax: +49 (0) 2065/ 9088-50
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